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Index
Project Management Maturity Model | Ausgangssituation | Entwicklungsphasen | Aufbruchphase | Ausbauphase | Umbauphase | Qualifizierung und Zertifizierung | Domänenspezifische Berufskarrieren | Anforderungen und exemplarisches Funktionsprofil | Fazit

 

5. Domänenspezifische Berufskarrieren

Ein projekt- und prozessorientiertes Unternehmen wird nicht allein von einer einheitlichen Projektmanagement-Systematik getragen. Die Entwicklung der Projektprozesse bildete den (notwendigen) Anfang. Ohne Berufsprofile und ein attraktives Karrieremodell, das den Projektmitarbeitern eine institutionalisierte „Heimat“ bietet und Perspektiven eröffnet, ist u.E. die Nachhaltigkeit der Maßnahmen nur schwer zu sichern. Projektmanagement würde vermutlich in der täglichen Routine „verschwinden“. Auf dem Hintergrund der vielfältigen „Management-Moden“ der 90er Jahre scheint dieses Schicksal durchaus realistisch.

Wir erläutern nun den Drei-Schritt „Kompetenzmodell“, „Funktionsprofil“ und „Kompetenzprofil“, der die Grundlage des Karrieremodells im Projektmanagement bildet. Anschließend gehen wir auf die Funktionsprofile der Projektmitarbeiter ein und stellen exemplarisch ein domänenspezifisches Berufsbild vor.

Kompetenzmodell: Dem Personalmanagement kam in der Gründungsphase (2000) die Aufgabe zu, einen stabilen und gemeinsam getragenen Werterahmen für die junge Postbank Systems AG zu entwickeln und durch Personal- und Organisationsentwicklungsmaßnahmen im Unternehmensalltag zu verankern. Die Grundlage hierfür bildet ein unternehmensspezifisches Kompetenzmodell. Es entstanden 15 „Competencies“ (8), die eine Kombination aus gezeigtem Verhalten, eingesetzten Fähigkeiten und angewandtem Wissen darstellen. „Competencies“ sind laut Postbank Systems Definition „beobachtbar, entwicklungsfähig und messbar“. Beispiele hierfür sind Markt- und / oder Unternehmenskenntnisse, Fachkenntnisse, Organisationsvermögen, Gestaltung der Zusammenarbeit sowie Motivation und Integration.

Funktionsprofil: Parallel zum Aufbau des Kompetenzmodells wurde die Orientierung an Geschäftsprozessen als Managementinstrument eingeführt. Alle Aufgaben des Unternehmens wurden und werden kontinuierlich dokumentiert, analysiert und optimiert. Einzelne Prozessschritte werden zu Funktionsprofilen zusammengefasst. Diese ergeben die Aufgabenbeschreibungen für die Mitarbeiter. Funktionsprofile sind nicht im herkömmlichen Sinne Stellenbeschreibungen für einzelne Mitarbeiter oder Positionen (9). Sie definieren vielmehr die Hauptaufgaben und notwendigen Erfahrungen einer Gruppe von Mitarbeitern mit gleichen Tätigkeiten (z.B. Softwareentwickler, Qualitätssicherer).

Kompetenzprofil: Für jedes Funktionsprofil legen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung in einer Kommission ein Kompetenzprofil fest. Die 15 Competencies werden hierfür auf einer 6-stufigen Skala bewertet. Während das Funktionsprofil fachliche Aufgaben beschreibt, sind im Kompetenzprofil die bewerteten fachlichen und überfachlichen Anforderungen entlang des Kompetenzmodells abgebildet. Die Anforderungen an einen Mitarbeiter ergeben sich aus der Kombination von Funktions- und Kompetenzprofil. Auf diesem Kombinationsprofil basieren alle Personalentwicklungsinstrumente wie Entwicklungsgespräche, Zielvereinbarungen, Qualifizierungsangebo-te und -Programme und das Karrieremodell.

Die Gesamtheit der Prozesse und Technologien eines IT-Dienstleisters birgt eine nicht zu unterschätzende Komplexität. Durch die Beschreibung von Funktionsprofilen wird die Prozesskomplexität für den Einzelnen reduziert. Trugen die Mitarbeiter zuvor fachliche, finanzielle und personelle Leitungsverantwortung, so steht nun die Spezialisierung der Mitarbeiter im Vordergrund. Insofern Projektmanagement dauerhaft als Methode zur Lösung komplexer Aufgaben in einer Organisation etabliert werden soll, erscheint uns ein eigenständiger Karrierepfad als zwingend.

Die notwendige Spezialisierung wurde durch Berufsprofile und eine neu entwickelte Karrieresystematik in dauerhafte Organisationsstrukturen umgesetzt und die Aufstiegsmöglichkeiten und Gehaltsbestandteile in den drei Karrierepfaden „Führung“, „Fach“ und „Projekt“ schrittweise aneinander angeglichen. Da die Postbank Systems über kein formales Gehalts- bzw. Tarifgefüge verfügt, hat sich an der individuellen Gehaltsausgestaltung durch die Einführung einer Karrieresystematik nichts geändert.

Für die Glaubwürdigkeit eines eigenständigen PM-Karriereweges waren diese einheitlichen Rahmenbedingungen von zentraler Bedeutung. Nicht selten gab und gibt es Ressentiments gegenüber der geforderten Spezialisierung auf eine der drei Verantwortungsgebiete. Von jedem Einzelnen wird eine Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen und ggf. ein Loslassen von zum Teil jahrelang gewachsenen Einfluss- und Entscheidungsstrukturen gefordert. Eben jene „Machtstrukturen“ zu stören, ist eine bewusste Konsequenz der Einführung von gleichwertigen Karrierepfaden. Der Gewinn ist eine erhöhte Binnenkomplexität der Organisation, die der gestiegenen Komplexität von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen Rechnung trägt. Heute ist die Projektmanagement-Laufbahn in Hinblick auf Vergütung, Nebenleistungen und Entwicklungschancen ein eigenständiger und gleichwertiger Karrierepfad.

 

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